
Madeira Reiseführer
Wolkenmeer, Levadas, Küstenklippen & Nebelwald – Natur im Miniformat extrem verdichtet
Madeira auf einen Blick
Reisezeit
Ganzjährig – Frühling Blüte, Herbst Wandern
Budget/Tag
55–70 € Backpacking
Mikroklima
4 Jahreszeiten an 1 Tag
Transport
Eigenes Fahrzeug fast Pflicht
Warum Madeira? Mein Gefühl nach den ersten Stunden
Madeira hat mich komplett umgehauen. Ich kam ohne große Erwartungen – und stand Minuten später zwischen dramatischen Küstenklippen, Wolkenbändern und dampfendem, sattgrünem Wald. Diese Insel fühlt sich an wie mehrere Welten in einer: Im Osten karg und windgezeichnet, im Zentrum zerrissene Gipfel, im Norden feucht, wild, urwaldartig.
Es ist kein Badeinsel-Klischee – es ist Bewegung, Fahrt, Wandern, Kurven, Höhenmeter. Ständig wechselt Licht, Temperatur, Stimmung. Wenn du Natur liebst und gerne aktiv unterwegs bist, du wirst hier nicht satt werden. Für Motorradfahrer ist Madeira pures Geschenk: griffiger Asphalt, enge Serpentinen, weite Ausblicke, Mikroklima-Sprünge an einem Vormittag.
Und trotzdem: Du musst kein Profi sein. Viele Wow-Momente sind mit moderater Kondition erreichbar – der Rest belohnt jeden extra Schritt.
Landschaftlich ist Madeira für mich ein absoluter Traum und ganz klar mein Lieblingsziel in Europa. Rau, wechselhaft, intensiv – und trotzdem zugänglich. Preislich liegt vieles unter deutschem Niveau: einfache Unterkünfte/Hostels gibt es ab ca. 20 € pro Nacht. Ein eigenes Transportmittel (Motorrad oder Auto) ist aus meiner Sicht fast Pflicht um flexibel zwischen Mikroklimata und Küstenabschnitten zu springen. Der klassische Backpacker-Vibe ist hier weniger präsent – häufiger triffst du Pauschalreisende oder Paare. Für mich passt das: Die Insel selbst bleibt der Star.
Ich war über die Osterferien dort – vieles war ausgebucht und sämtliche normalen Mietwagen bereits weg. Wenn du zu Ferienzeiten kommst: früh buchen (Unterkunft + Fahrzeug). Das Motorrad war meine Rettung und am Ende sogar die beste Entscheidung: freie Sicht, direkter Fahrtwind, pure Kurvenlinie.
Stimmungen der Insel
Lade Bildergalerie...
Was du vorab wissen solltest
Vegetation & Vielfalt
Nebelwald, Lorbeer, karge Halbinseln, vulkanische Küsten. Ich war überrascht wie schnell alles wechselt – manchmal innerhalb von 15 Minuten Fahrt.
Wetter & Layering
Ein Tag kann 12°C Nebel am Pass, 20°C Sonne an der Küste und Regen im Norden bedeuten. Ich hatte immer leichte Regenjacke + Midlayer dabei.
Allein unterwegs
Sehr angenehm. Wanderrouten sind gut frequentiert aber nicht überlaufen (außer Spitzenzeiten Pico do Arieiro ⇄ Pico Ruivo).
Mietwagen oder Bus?
Busnetz existiert – aber unflexibel. In Ferienzeiten oft vieles ausgebucht: früh reservieren. Motorrad: maximaler Flow, Kurven, Ausblicke. Auto: Komfort & Wetterschutz.
Essen & Genuss
Bolo do Caco, Espetada, tropische Früchte und frischer Fisch. Kulinarisch deutlich vielseitiger als erwartet.
Baden & Atlantik
Sandstrände wenig – dafür natürliche Lavapools, Klippen und wilde Gischt. Ich habe Porto Moniz geliebt.
Anreise: Flüge & Transfer nach Funchal
Madeira (Flughafen FNC) wird oft über Lissabon oder Porto angeflogen. Beide Städte haben mehrere tägliche Verbindungen – ideal für ein kurzes Stopover. Alternative Airlines fliegen saisonal auch direkt aus Deutschland / Mitteleuropa.
- Lissabon → Funchal: ca. 1h45, viele Slots (TAP, easyJet, Ryanair je nach Saison)
- Porto → Funchal: ca. 2h, etwas weniger Frequenz
- Deutschland (saisonal): Direkt teils ab FRA, MUC, BER – oft teurer, aber spart Umstieg
Vom Flughafen nach Funchal – Optionen
- Aerobus / Shuttle: günstige Lösung (mehrere Stopps). Gut mit leichtem Gepäck.
- Öffentlicher Bus: billigste Variante – etwas langsamer, Fahrplan checken.
- Taxi / Bolt: schnell & flexibel, preislich moderat für die Distanz.
- Mietwagen direkt: ideal wenn du sofort aus Funchal raus / flexibel sein willst. Früh buchen in Ferienzeiten.
- Privater Transfer: Komfort für Gruppen / viel Gepäck – vorab online reservierbar.
Tipp: Wenn du erst akklimatisieren willst, nimm Shuttle nach Funchal, hol Mietwagen 1–2 Tage später in der Stadt (Verfügbarkeit früh checken!).
Meine Route (9 Tage – Uhrzeigersinn per Motorrad)
Start in Funchal – dann im Uhrzeigersinn außen herum. Kein Stress, viel Wetterwechsel, viele Mikroklimata.

Funchal – Ankommen & Einsortieren
Altstadt, Markt, Motorrad übernehmen, erstes Gefühl für Küste & Höhenunterschiede.
Auf Google Maps öffnen ↗Ribeira Brava – Warmfahren
Locker Richtung Westen – erste Aussichtsbalkone, Straßen-Flow steigert sich.
Auf Google Maps öffnen ↗Estreito da Calheta & Umgebung
Kurvige Abschnitte + kleine Levadas, morgens oft Sonne, später Wolkenstaffeln.
Auf Google Maps öffnen ↗Ponta do Pargo – Westspitze
Weit & offen. Wind, Leuchtturm, Abbruchkanten. Sonnenuntergangspotential hoch.
Auf Google Maps öffnen ↗Nordküste Übergang
Feuchter, grüner, dichter. Tunnels, Nebelbänke, wechselnde Sichtfenster – Flow pur.
Auf Google Maps öffnen ↗Santana – Tradition & Grün
Casas de Santana + Basis für Ausflüge ins Inland oder weiterrollen gen Osten.
Auf Google Maps öffnen ↗Zurück Richtung Funchal
Letzte Höhenmeter, Mischwetter, Abschlussgefühl – Insel komplett umrundet.
Auf Google Maps öffnen ↗Besuchte Spots & Eindrücke
Einzelne Orte, an denen ich gerne gestoppt habe – jeweils mit direktem Google-Maps Link zum Reinzoomen / Abspeichern.
Miradouro Molinas
Schneidender Wind, kalte Luft, aber klare gestaffelte Nordküsten-Linien. Eindrucksvoller Layer-Look.
Fajã da Ovelha
Stiller Hang über dem Atlantik – guter Zwischenstopp für einen Kaffee & Blick nach Westen.
Auf Google Maps öffnen ↗Teleférico Achadas da Cruz
Steile Abfahrt per Seilbahn möglich – unten schroff & abgelegen, oben windgepeitscht.
Auf Google Maps öffnen ↗Porto Moniz
Lava-Pools + Brandung. Für mich einer der intensivsten Atlantik-Spots auf der Runde.
Auf Google Maps öffnen ↗Rocha de Baixo
Raues Gefühl – Fels, Gischt, wenig Bewegung außer Meer & Wind.
Auf Google Maps öffnen ↗Bica da Cana Aussichtspunkt
Morgenlicht über Wolkenfeldern – schnell wechselnde Sichtfenster.
Auf Google Maps öffnen ↗Levadas – Wandern entlang lebendiger Wasseradern
Levadas sind alte Bewässerungskanäle – heute perfekte Wanderpfade. Ich liebe das gleichmäßige, meditative Gehen, das leichte Plätschern und die Wechsel zwischen offenem Licht und tunnelartigen Passagen.


Levada 25 Fontes
Leicht-Mittel
Wasserfall-Finale, früh starten
Caldeirão Verde
Mittel
Tunnels + Tiefe
Pico ⇄ Pico
Anspruchsvoll
Alpin, Wetter checken
Meine Basis-Ausrüstung
- • Trailrunningschuhe (Grip + leicht)
- • Leichte Regenjacke
- • 1–2 Layer (Temperaturwechsel)
- • Stirnlampe für Tunnel
- • 1–1,5 L Wasser + Snack
Sicherheit & Respekt
- • Wetter vor Bergtouren checken
- • Nichts von den Kanten kicken (Erosion)
- • Stirn runter: nicht ständig filmen
- • Nebel? Ruhe bewahren – Pfad fokussieren
- • Müll wieder mitnehmen
Kosten & Budget
Madeira ist moderat teuer – aber mit Selbstversorgung gut kontrollierbar.
| Kategorie | Preis (ca.) |
|---|---|
| Tagesbudget | 55–70 € |
| Unterkunft (Hostel) | 20–35 € |
| Guesthouse / Mid | 45–70 € |
| Restaurant Gericht | 10–16 € |
| Motorrad / Tag | 35 € |
| Mietwagen / Tag | 30–45 € |
| Sprit (pro Liter) | 1.60–1.80 € |
Essen & Kulinarik
Espetada
Holzgrill-Spieße, rauchig
Bolo do Caco
Knoblauchbrot vom Stein
Degenfisch + Banane
Klingt wild – funktioniert


Ich fand das Essen bodenständig & frisch – angenehm ehrlich und günstiger als in Deutschland.
Meine Highlights – Momente, die bleiben
Nebelwesen im Fanal-Wald
Farbspiel bei Sonnenaufgang am Pico do Arieiro
Wind & Brandung an der Ostspitze
Stille entlang einer einsamen Levada
Wolkenmeer über Curral das Freiras
Fazit
Madeira ist für mich die perfekte Insel für aktive Reisende, die Natur fühlen wollen ohne komplett aus Infrastruktur zu fallen. Ich konnte morgens hoch in den kühlen Nebelwald fahren und nachmittags in mildem Licht an der Küste sitzen.
Sie ist kein Partyziel, kein Strandmassentourismus – sondern eine Insel, die dich durch Vielfalt und Ruhe packt. Ich komme wieder – für längere Trails und um mehr versteckte Levadas zu entdecken.
Wenn du Wanderlust + Naturmagie suchst: Madeira liefert.
Fragen zu Levadas, Mietwagen oder Wetter? Schreib einen Kommentar.
Kommentare